Leibniz' Monaden und der Spiegel des Universums

Einleitung



Auch in der neueren Philosophie des Geistes ist das Problem Substanzdualismus nach wie vor aktuell. So etablierte John Eccels seine Theorie der Psychonen. Das Problem, dass vorliegt, geht auf René Descartes zurück. Durch sein Werk „Meditationes de Prima Philosophia“, versuchte Descartes deutlich zu machen, dass es zwei Substanzen gibt, die dem Menschen angehören. Diese zwei Kategorien sind als „res extensa“ und „res cogitans“ bekannt. Descartes behauptet, Körper – also materielle Dinge – sind eine andere Substanz als die Seele (in der neueren Terminologie: Geist (folgend auch so genannt)). Während der Körper ausgedehnt ist, ist der Geist unausgedehnt. Jedoch macht Descartes nicht deutlich, wie es möglich ist, dass eine unausgedehnte Substanz, also der Geist, oder bei Descartes das denkende Ding, auf etwas ausgedehntes, wie dem Körper, den man sich zuschreiben kann, einwirken kann. Dieses Problem lässt sich als Problem des interaktionistischen Substanzdualismus formulieren: wie kann es sein, dass etwas materielles auf etwas immaterielles einwirkt und umgekehrt.

Während Descartes es vermissen lässt, eine zufriedenstellende Antwort zu geben, haben sich andere Autor mit dem Problem des interaktionistischen Substanzdualismus beschäftigt.

Einer der Autoren, die einflussreiche Theorien entwickelt haben, ist Leibniz mit seinen metaphysischen Schriften.

In dieser Arbeit möchte ich mich nicht konkret auf das Problem des Substanzdualismus beziehen, da es den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Ich werde in dieser Arbeit folgendes tun:

eine Beschreibung der Monaden (I) geben. Was ist eine Monade, welche Eigenschaften besitzt sie und wie sind diese Eigenschaften zu verstehen. Im weiteren Verlauf möchte ich dann zwei Grundlegende Analogien (II) von Leibniz erläutern: das jede Monade ein Spiegel des Universums ist (Spiegelanalogie) und das jede Monade eine bestimmte Perspektive vom Universum besitzt, ähnlich den unterschiedlichen Standpunkten, von denen aus man eine Stadt (Stadtanalogie) betrachten kann.

Daraus folgend möchte ich noch einige Gedanken äußern (III), darüber, ob diese von Leibniz angebotene Erklärung dazu beitragen kann, zu verstehen, wie die sehr perspektivische Wahrnehmung zustanden kommt.




(I) Die Monadentheorie


Gleich zu beginn der Monadologie, definiert Leibniz, was als Monade zu verstehen ist: eine einfache Substanz1. Als eine Einfache Substanz ist zu verstehen, dass diese keine Teile hat. Ohne Teile bedeutet dann, dass die Monaden keine Ausdehnung besitzen, somit also keinen Körper und keine Gestalt besitzen. Damit sind die Monaden abgegrenzt von der „res extensa“. Da sie keine Teile besitzen, folgert Leibniz, dass sie unendlich sein müssen, denn sie können nicht durch Zusammensetzung gebildet werden und deswegen können sie durch Teilung nicht enden.2

Dennoch müssen die Monaden irgendwann angefangen haben zu existieren. Dies geschah auf einen Schlag, durch Schöpfung („creation“ die Monaden können auch nur auf eine Art enden: durch Vernichtung. Schöpfung und Vernichtung zeigen klar, was Leibniz meint: durch Gottes Schöpfung des Universums haben die Monaden begonnen zu sein und durch Gottes Vernichtung werden die Monaden aufhören zu sein.

Weiterhin schlussfolgert Leibniz, dass die Monaden, weil sie keine Teile haben, nicht von außen beeinflusst werden können, denn Veränderung, im Sinne jeglicher Art, kommt durch ein wirken zwischen Teilen zustande.3

Jedoch müssen die Monaden voneinander unterscheidbar sein, da es keine zwei vollkommen gleiche Entitäten geben kann, ebenso muss man den Monaden etwas zusprechen, damit sie als Seiend erkannt werden können. Da die Monaden keine Ausdehnung besitzen fällt eine Unterscheidung dieser durch die Kategorie „Quantität“ unter den Tisch. Monaden besitzen jedoch Qualitäten. Diese Qualitäten macht eine Monade zu einem Individuum unter allen anderen Monaden (mehr zu den Qualitäten Unten).

Was Seiend ist, so gibt Leibniz zu verstehen, unterliegt einer Art von Veränderung. Diese Veränderung kann nicht von außen kommen, da die Monaden keine Fenster besitzen. Die Analogie zeigt deutlich, dass nichts in die Monade herein kann und nichts aus ihr raus. Das und die Erkenntnis, dass die Monade von nichts anderem beeinflusst werden kann, macht die Monade autark. Autark in dem Sinne, dass sie zwar von Gott erschaffen wurde und durch ihn auch vernichtet werden können, jedoch seit ihrer Schöpfung vollkommen autark handeln.

Aus dem Gesagten, dass die Monaden Qualität besitzen und autark sind, ergibt sich folgendes:

Die Monaden, damit sie handeln, brauchen ein inneres Prinzip, dass sie handelnd macht. Dieses Prinzip ist die Appetition. Die Appetition ist ein Vorgang, der die Monade dazu bewegt von einer Perzeption zu der nächsten Perzeption zu wechseln. Mit der Perzeption ist auch die spezifische Qualität einer Monade genannt: die Qualität einer Monade ist die Perzeption, die sie hat. Aufgrund derer kann man die Monaden voneinander unterscheiden und somit obliegt ihnen eine Identität, die sie individuell macht.

Nun muss geklärt werden, was Leibniz unter Perzeption versteht, zumal der Begriff für die beiden Analogien, die im folgenden erläutert werden, maßgeblich ist.

Eine Perzeption, man könnte den Begriff „Repräsentation“ verwenden, ist die Darstellung eines Gegenstandes. Also Monaden haben Perzeptionen von etwas. Diese Perzeption kann wahrgenommen werden. Somit sind also deutliche – eine Monade hat viele Perzeptionen: deutliche und undeutliche – Perzeptionen, die man wahrnimmt eine Repräsentation von etwas. So gesprochen kann man sagen: Monade X hat eine deutliche Perzeption von Y, welche als Repräsentation ihren Ausdruck findet. Nimmt ein Mensch etwas wahr, also hat eine Repräsentation von einem Gegenstand, so ist dies die deutliche Perzeption einer Monade.

Die Individualität und die „Vollkommenheit“ einer Monade ist bedingt durch die Perzeptionen. Die Individualität einer Monade ist insofern durch die Perzeption bedingt, als das gesagt wird, dass zwei Monaden nicht dieselbe Perzeption haben. Wie „vollkommen“ eine Monade ist, ist durch die Deutlichkeit der Perzeptionen bedingt. Leibniz spricht von unterschiedlichen Monaden bzw. von Kategorien, in die man die Monaden je nach Deutlichkeit ihrer Perzeption einteilen kann: die einfachen Monaden, die Seelen (diese haben alle Lebewesen) und die Geistmonaden (die die Fähigkeit zur Reflexion besitzen).


    (II) Spiegel des Universums


Wie ist es zu verstehen, wenn Leibniz davon spricht, dass jede Monade ein Spiegel des Universums ist? Wie bereits oben erwähnt, zeichnen Monaden sich dadurch aus, dass sie Perzeptionen haben. Weiterhin, dass sie autark handeln, aus dem inneren Prinzip heraus und dass sie nicht beeinflusst werden können, sowie, dass sie existieren, solange das Universum existiert.

Da Monaden Perzeptionen haben, viele davon in unterschiedlicher Qualität und von einer Perzeption zur nächsten wandeln, aber während ihrer Existenz nicht beeinflusst werden können, muss Gott in die Monaden alles gelegt haben. Die Monaden haben sozusagen, dass gesamte Universum in sich. Da sie notwendigerweise alles in sich tragen, wir als Menschen aber nicht alles wahrnehmen können, was notwendig in einer Monade ist, ist es zumindest theoretisch möglich, von einer Monade das gesamte Universum abzuleiten. Dazu ein von Leibniz verwendetes Beispiel: Alexander der Große. In der Monade von Alexander ist alles vorhanden, was notwendig zu Alexander gehört. Könnten wir, wie Gott, a priori alles in der Monade von Alexander liegende sehen, so könnten wir das Vergangene, das Gegenwärtige und das Kommende, erkennen. Wir würden alles erkennen, was notwendig zu dem Begriff Alexander gehört. Da aber Alexander ein Teil der Universums ist und sein Sein notwendig im Universum stattfindet, könnte man, wäre man Gott, nicht nur alles erkennen, was Alexander betrifft, sondern vom ihm aus, auf das gesamte Universum schließen. Dadurch zeigt sich, wie es zu verstehen ist, dass jede Monade ein Spiegel des Universum ist. Jede Monade gibt Perzeptionen des Universums von sich und theoretisch könnte man von jeder Monade auf das Universum schließen. Jedoch können wir als Menschen, nicht wie Gott, alles in einer Monade liegende a priori erkennen sondern erfahren nur die deutlichen Perzeptionen der Monade.

Jedoch kann es nicht sein, dass jede Monade das Universum gleich widerspiegelt. Denn wäre dies der Fall, so würde die Individualität der Monaden, bedingt durch ihre Qualitäten, verloren gehen und sie wären nicht mehr zu unterscheiden. Es stimmt, folgt man Leibniz Argumentation, dass jede Monade das Universum widerspiegelt, allerdings und darin liegt die Pointe, auf eine bestimmte Art und Weise. Leibniz versucht das durch die Stadtanalogie zu verdeutlichen. Er sagt:


Überdies ist jede Substanz gleichsam eine ganze Welt und wie ein Spiegel Gottes oder vielmehr des ganzen Universums, das jede auf ihre Weise ausdrückt, etwas so, wie die eine und selbe Stadt nach unterschiedlichen Standorten des Betrachters verschiedenartig vorgestellt wird.“4


Leibniz meint also, dass jede Substanz, also jede Monade das Universum widerspiegelt, auf ihre Weise. Diese Weise, ist eine Perspektive. Und jede Monade besitzt sozusagen eine bestimmte Perspektive auf das Universum. Analog zu dem Beispiel mit der Stadt, die von unterschiedlichen Standorten betrachtet wird und sich somit unterschiedliche Bilder derselben Stadt ergeben, spiegelt jede Monade den selben Gegenstand, also das Universum, von einem bestimmten „Standort“ aus wider, wodurch unterschiedliche Betrachtungsweisen vom selben Gegenstand zustande kommen. Noch expliziter ließe sich das folgendermaßen ausdrücken: leite ich das Universum von der Alexandermonade ab, so erhalte ich das gesamte Universum, aber anders, als würde ich das Universum von einer Kantmonade ableiten.


(III) Weitere Überlegungen


Setzt man, das Leibniz mit seiner Schrift eine Theorie liefert, die tatsächlich so anzunehmen ist, ließe sich daraus praktisches ableiten. Es könnte daraus abgeleitet werden, warum es über bestimmte Gegenstände unterschiedliche Meinungen gibt, wenn man annimmt, dass es dadurch zustande kommt, das wir als Menschen eine bestimmte Repräsentation von diesem Gegenstand haben, welche aufgrund der Qualitäten der Monade notwendig perspektivisch ist. Damit müssten aber sämtliche Wahrheitsansprüche kritischer betrachtet werden. Denn gewinnen wir immer nur eine bestimmte Perspektive, die sich von anderen nur fein oder grundsätzlich unterscheidet, muss gefragt werden, inwiefern man dann als einzelne Person Wahrheit wirklich beanspruchen darf.

Es ergibt sich aber auch, dass ein rein objektives Bild von einem Gegenstand nur dann möglich zu sein scheint, wenn man alle Perspektiven zusammennimmt, um damit jeden Standpunkt eingenommen haben zu können, damit letztendlich eine vollständige und wahre Repräsentation eines Gegenstandes in uns vorherrscht. Das können wir jedoch nicht, nicht so, wie Gott das kann, der a priori alles erkennt, in allen Monaden und damit wohl das gesamte Universum erkennt, wie es wirklich ist: mit allen Einfaltungen und Perspektiven.


(IV) Zusammenfassung


Leibniz beschreibt eine unausgedehnte, autarke, Substanz, die durch ihre Qualitäten individualisiert wird, damit sie voneinander unterscheidbar gemacht werden können. Diese Qualitäten sind die Perzeptionen der jeweiligen Monaden. Diese Perzeptionen sind perspektivisch. Aus dem gesagten hat sich außerdem ergeben, dass jede Monade das Universum auf ihre Weise widerspiegelt: man kann von jeder Monaden das gesamte Universum ableiten, erhält dann eine von vielen Perspektiven auf das Universum: wie das Betrachten der Stadt je nach Standort – es ist derselbe Gegenstand aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.


Daraus lässt sich ableiten, oder zumindest überlegen, dass dadurch verstanden werden kann, weshalb, je nach Gegenstand, die Meinungen soweit auseinander gehen können. Sowie ist zu fragen, wenn man Leibniz Theorie annimmt, ob es dann nicht Probleme bezüglich von Wahrheitsansprüchen gibt.







Literatur:


  • Leibniz, Gottfried Wilhelm: Monadologie und andere metaphysischen Schriften. [Hrgs. und übers.]: Ulrich Johannes Schneider. Meiner Verlag Hamburg 2002

  • Ruffing, Reiner: Einfürhung in die Geschichte der Philosophie. Wilhelm Fink Verlag 20072 Paderborn. Seite 143-149.

 

13.2.12 13:34

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