Wiederholung

Ich weiß nicht, wie gut das andere Menschen auch kennen: es scheint sich alles zu wiederholen, vor allem das, was einem in der Vergangenheit viel bedeutet hat und noch immer nicht - im Wissen, dass es allerdings besser wäre - getilgt worden ist. So befindet man sich in einer Wiederholung, in einer Schleife, in einem niemals zu Ende gehenden Konflikt. Ein Konflikt, der Ausdruck darin findet, dass man sich versucht zu distanzieren, von der Welt zu entkoppeln. Dies beinhaltet die Hoffnung, dass, was einem nahegeht irgendwann verschwindet und man so drum herum kommt, aktiv zu handeln. 

Doch es ist ein Trugschluss zu meinen, dass etwas einfach verschwindet, wenn man sich nicht damit beschäftigt und klare Grenzen zieht, welche so deutlich und klar sind, das, wenn sie übertreten werden, konsequenzen nach sich ziehen, die die Unerbitterlichkeit der eigenen Entschlossenheit bezeugt. So sollte einem bewusst sein - und mit bewusst ist wirklich bewusstes nachdenken gemeint, womit eine Intentionalität einhergeht -, dass man sich nicht einfach passiv verhalten und abwarten kann, sonder aktiv tätig werden muss. Aktiv tätig werden, Gedanken machen, etwas beschliessen, Absichten festlegen und entsprechend - was dem Menschen vollkommen eigen zu sein scheint - handeln.

Handeln. Es ist etwas merkwürdiges. Eine gewisse Einstellung und eine relevante Überzeugung zu besitzen, sodass man überhaupt motiviert ist, etwas zu tun, dass sich als handeln bezeichnen lassen würde. Meist fehlt es nicht an den Einstellungen beispielsweise einem Wunsch, doch an der Überzeugung. Wünschen kann man sich schlicht und ergreifend viel - und ehrlich gesagt ist im Begriff Wunsch impliziert, was die Überzeugung nicht selten trifft: ein Wunsch ist mit den zur verfügung stehenden Mitteln nicht immer zu realisieren, worunter die Überzeugung schwer leidet.

Ein Wusch. Wie ist es zu beschreiben, was für eine Entität ist es schon, und viel wichtiger: welche Verbindung hat es zur Welt? Ein Wunsch, entgegen wollen, ist nicht immer zu realisieren, oder man ist nicht gewillt, die Mittel zu ergreifen, die notwendig wären, um das Ziel, also das Objekt des Wunsches, zu erreichen. Spricht man von wollen ist man aus einer begrifflich-analystischen Wahrheit dazu verpflichtet, alle Mittel, die notwendig und möglich sind zu ergreifen. Ist man dazu nicht bereit und spricht von wollen, wird man schnell der Lüge überführt.

Doch welche Verbindung hat ein Wunsch noch zur Welt? Weniger eine Verbindung, eher eine Funktion, ein Verhältnis von Geist, dem der Wunsch entspringt, und der Welt, in der wir leben: wunschen wir etwas - handeln vielleicht sogar - gibt es keine moralischen Wert - es darf erstmal alles gewünscht werde -, man kann ihm, dem Wunsch, kein Wahrheitsprädikat zuordnen, aber vor allem, es ist dem Wunsch nicht eigen, aber zumindest ist es ein Kriterium, sorgt der Wunsch dafür, dass wir eine Einstellung einnehmen, die die Disposition besitzt, die Welt unseren Wünschen nach zu ändern. 


------- Fortsetzung folgt --------

2 Kommentare 27.4.12 13:11, kommentieren

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Leibniz' Monaden und der Spiegel des Universums

Einleitung



Auch in der neueren Philosophie des Geistes ist das Problem Substanzdualismus nach wie vor aktuell. So etablierte John Eccels seine Theorie der Psychonen. Das Problem, dass vorliegt, geht auf René Descartes zurück. Durch sein Werk „Meditationes de Prima Philosophia“, versuchte Descartes deutlich zu machen, dass es zwei Substanzen gibt, die dem Menschen angehören. Diese zwei Kategorien sind als „res extensa“ und „res cogitans“ bekannt. Descartes behauptet, Körper – also materielle Dinge – sind eine andere Substanz als die Seele (in der neueren Terminologie: Geist (folgend auch so genannt)). Während der Körper ausgedehnt ist, ist der Geist unausgedehnt. Jedoch macht Descartes nicht deutlich, wie es möglich ist, dass eine unausgedehnte Substanz, also der Geist, oder bei Descartes das denkende Ding, auf etwas ausgedehntes, wie dem Körper, den man sich zuschreiben kann, einwirken kann. Dieses Problem lässt sich als Problem des interaktionistischen Substanzdualismus formulieren: wie kann es sein, dass etwas materielles auf etwas immaterielles einwirkt und umgekehrt.

Während Descartes es vermissen lässt, eine zufriedenstellende Antwort zu geben, haben sich andere Autor mit dem Problem des interaktionistischen Substanzdualismus beschäftigt.

Einer der Autoren, die einflussreiche Theorien entwickelt haben, ist Leibniz mit seinen metaphysischen Schriften.

In dieser Arbeit möchte ich mich nicht konkret auf das Problem des Substanzdualismus beziehen, da es den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Ich werde in dieser Arbeit folgendes tun:

eine Beschreibung der Monaden (I) geben. Was ist eine Monade, welche Eigenschaften besitzt sie und wie sind diese Eigenschaften zu verstehen. Im weiteren Verlauf möchte ich dann zwei Grundlegende Analogien (II) von Leibniz erläutern: das jede Monade ein Spiegel des Universums ist (Spiegelanalogie) und das jede Monade eine bestimmte Perspektive vom Universum besitzt, ähnlich den unterschiedlichen Standpunkten, von denen aus man eine Stadt (Stadtanalogie) betrachten kann.

Daraus folgend möchte ich noch einige Gedanken äußern (III), darüber, ob diese von Leibniz angebotene Erklärung dazu beitragen kann, zu verstehen, wie die sehr perspektivische Wahrnehmung zustanden kommt.




(I) Die Monadentheorie


Gleich zu beginn der Monadologie, definiert Leibniz, was als Monade zu verstehen ist: eine einfache Substanz1. Als eine Einfache Substanz ist zu verstehen, dass diese keine Teile hat. Ohne Teile bedeutet dann, dass die Monaden keine Ausdehnung besitzen, somit also keinen Körper und keine Gestalt besitzen. Damit sind die Monaden abgegrenzt von der „res extensa“. Da sie keine Teile besitzen, folgert Leibniz, dass sie unendlich sein müssen, denn sie können nicht durch Zusammensetzung gebildet werden und deswegen können sie durch Teilung nicht enden.2

Dennoch müssen die Monaden irgendwann angefangen haben zu existieren. Dies geschah auf einen Schlag, durch Schöpfung („creation“ die Monaden können auch nur auf eine Art enden: durch Vernichtung. Schöpfung und Vernichtung zeigen klar, was Leibniz meint: durch Gottes Schöpfung des Universums haben die Monaden begonnen zu sein und durch Gottes Vernichtung werden die Monaden aufhören zu sein.

Weiterhin schlussfolgert Leibniz, dass die Monaden, weil sie keine Teile haben, nicht von außen beeinflusst werden können, denn Veränderung, im Sinne jeglicher Art, kommt durch ein wirken zwischen Teilen zustande.3

Jedoch müssen die Monaden voneinander unterscheidbar sein, da es keine zwei vollkommen gleiche Entitäten geben kann, ebenso muss man den Monaden etwas zusprechen, damit sie als Seiend erkannt werden können. Da die Monaden keine Ausdehnung besitzen fällt eine Unterscheidung dieser durch die Kategorie „Quantität“ unter den Tisch. Monaden besitzen jedoch Qualitäten. Diese Qualitäten macht eine Monade zu einem Individuum unter allen anderen Monaden (mehr zu den Qualitäten Unten).

Was Seiend ist, so gibt Leibniz zu verstehen, unterliegt einer Art von Veränderung. Diese Veränderung kann nicht von außen kommen, da die Monaden keine Fenster besitzen. Die Analogie zeigt deutlich, dass nichts in die Monade herein kann und nichts aus ihr raus. Das und die Erkenntnis, dass die Monade von nichts anderem beeinflusst werden kann, macht die Monade autark. Autark in dem Sinne, dass sie zwar von Gott erschaffen wurde und durch ihn auch vernichtet werden können, jedoch seit ihrer Schöpfung vollkommen autark handeln.

Aus dem Gesagten, dass die Monaden Qualität besitzen und autark sind, ergibt sich folgendes:

Die Monaden, damit sie handeln, brauchen ein inneres Prinzip, dass sie handelnd macht. Dieses Prinzip ist die Appetition. Die Appetition ist ein Vorgang, der die Monade dazu bewegt von einer Perzeption zu der nächsten Perzeption zu wechseln. Mit der Perzeption ist auch die spezifische Qualität einer Monade genannt: die Qualität einer Monade ist die Perzeption, die sie hat. Aufgrund derer kann man die Monaden voneinander unterscheiden und somit obliegt ihnen eine Identität, die sie individuell macht.

Nun muss geklärt werden, was Leibniz unter Perzeption versteht, zumal der Begriff für die beiden Analogien, die im folgenden erläutert werden, maßgeblich ist.

Eine Perzeption, man könnte den Begriff „Repräsentation“ verwenden, ist die Darstellung eines Gegenstandes. Also Monaden haben Perzeptionen von etwas. Diese Perzeption kann wahrgenommen werden. Somit sind also deutliche – eine Monade hat viele Perzeptionen: deutliche und undeutliche – Perzeptionen, die man wahrnimmt eine Repräsentation von etwas. So gesprochen kann man sagen: Monade X hat eine deutliche Perzeption von Y, welche als Repräsentation ihren Ausdruck findet. Nimmt ein Mensch etwas wahr, also hat eine Repräsentation von einem Gegenstand, so ist dies die deutliche Perzeption einer Monade.

Die Individualität und die „Vollkommenheit“ einer Monade ist bedingt durch die Perzeptionen. Die Individualität einer Monade ist insofern durch die Perzeption bedingt, als das gesagt wird, dass zwei Monaden nicht dieselbe Perzeption haben. Wie „vollkommen“ eine Monade ist, ist durch die Deutlichkeit der Perzeptionen bedingt. Leibniz spricht von unterschiedlichen Monaden bzw. von Kategorien, in die man die Monaden je nach Deutlichkeit ihrer Perzeption einteilen kann: die einfachen Monaden, die Seelen (diese haben alle Lebewesen) und die Geistmonaden (die die Fähigkeit zur Reflexion besitzen).


    (II) Spiegel des Universums


Wie ist es zu verstehen, wenn Leibniz davon spricht, dass jede Monade ein Spiegel des Universums ist? Wie bereits oben erwähnt, zeichnen Monaden sich dadurch aus, dass sie Perzeptionen haben. Weiterhin, dass sie autark handeln, aus dem inneren Prinzip heraus und dass sie nicht beeinflusst werden können, sowie, dass sie existieren, solange das Universum existiert.

Da Monaden Perzeptionen haben, viele davon in unterschiedlicher Qualität und von einer Perzeption zur nächsten wandeln, aber während ihrer Existenz nicht beeinflusst werden können, muss Gott in die Monaden alles gelegt haben. Die Monaden haben sozusagen, dass gesamte Universum in sich. Da sie notwendigerweise alles in sich tragen, wir als Menschen aber nicht alles wahrnehmen können, was notwendig in einer Monade ist, ist es zumindest theoretisch möglich, von einer Monade das gesamte Universum abzuleiten. Dazu ein von Leibniz verwendetes Beispiel: Alexander der Große. In der Monade von Alexander ist alles vorhanden, was notwendig zu Alexander gehört. Könnten wir, wie Gott, a priori alles in der Monade von Alexander liegende sehen, so könnten wir das Vergangene, das Gegenwärtige und das Kommende, erkennen. Wir würden alles erkennen, was notwendig zu dem Begriff Alexander gehört. Da aber Alexander ein Teil der Universums ist und sein Sein notwendig im Universum stattfindet, könnte man, wäre man Gott, nicht nur alles erkennen, was Alexander betrifft, sondern vom ihm aus, auf das gesamte Universum schließen. Dadurch zeigt sich, wie es zu verstehen ist, dass jede Monade ein Spiegel des Universum ist. Jede Monade gibt Perzeptionen des Universums von sich und theoretisch könnte man von jeder Monade auf das Universum schließen. Jedoch können wir als Menschen, nicht wie Gott, alles in einer Monade liegende a priori erkennen sondern erfahren nur die deutlichen Perzeptionen der Monade.

Jedoch kann es nicht sein, dass jede Monade das Universum gleich widerspiegelt. Denn wäre dies der Fall, so würde die Individualität der Monaden, bedingt durch ihre Qualitäten, verloren gehen und sie wären nicht mehr zu unterscheiden. Es stimmt, folgt man Leibniz Argumentation, dass jede Monade das Universum widerspiegelt, allerdings und darin liegt die Pointe, auf eine bestimmte Art und Weise. Leibniz versucht das durch die Stadtanalogie zu verdeutlichen. Er sagt:


Überdies ist jede Substanz gleichsam eine ganze Welt und wie ein Spiegel Gottes oder vielmehr des ganzen Universums, das jede auf ihre Weise ausdrückt, etwas so, wie die eine und selbe Stadt nach unterschiedlichen Standorten des Betrachters verschiedenartig vorgestellt wird.“4


Leibniz meint also, dass jede Substanz, also jede Monade das Universum widerspiegelt, auf ihre Weise. Diese Weise, ist eine Perspektive. Und jede Monade besitzt sozusagen eine bestimmte Perspektive auf das Universum. Analog zu dem Beispiel mit der Stadt, die von unterschiedlichen Standorten betrachtet wird und sich somit unterschiedliche Bilder derselben Stadt ergeben, spiegelt jede Monade den selben Gegenstand, also das Universum, von einem bestimmten „Standort“ aus wider, wodurch unterschiedliche Betrachtungsweisen vom selben Gegenstand zustande kommen. Noch expliziter ließe sich das folgendermaßen ausdrücken: leite ich das Universum von der Alexandermonade ab, so erhalte ich das gesamte Universum, aber anders, als würde ich das Universum von einer Kantmonade ableiten.


(III) Weitere Überlegungen


Setzt man, das Leibniz mit seiner Schrift eine Theorie liefert, die tatsächlich so anzunehmen ist, ließe sich daraus praktisches ableiten. Es könnte daraus abgeleitet werden, warum es über bestimmte Gegenstände unterschiedliche Meinungen gibt, wenn man annimmt, dass es dadurch zustande kommt, das wir als Menschen eine bestimmte Repräsentation von diesem Gegenstand haben, welche aufgrund der Qualitäten der Monade notwendig perspektivisch ist. Damit müssten aber sämtliche Wahrheitsansprüche kritischer betrachtet werden. Denn gewinnen wir immer nur eine bestimmte Perspektive, die sich von anderen nur fein oder grundsätzlich unterscheidet, muss gefragt werden, inwiefern man dann als einzelne Person Wahrheit wirklich beanspruchen darf.

Es ergibt sich aber auch, dass ein rein objektives Bild von einem Gegenstand nur dann möglich zu sein scheint, wenn man alle Perspektiven zusammennimmt, um damit jeden Standpunkt eingenommen haben zu können, damit letztendlich eine vollständige und wahre Repräsentation eines Gegenstandes in uns vorherrscht. Das können wir jedoch nicht, nicht so, wie Gott das kann, der a priori alles erkennt, in allen Monaden und damit wohl das gesamte Universum erkennt, wie es wirklich ist: mit allen Einfaltungen und Perspektiven.


(IV) Zusammenfassung


Leibniz beschreibt eine unausgedehnte, autarke, Substanz, die durch ihre Qualitäten individualisiert wird, damit sie voneinander unterscheidbar gemacht werden können. Diese Qualitäten sind die Perzeptionen der jeweiligen Monaden. Diese Perzeptionen sind perspektivisch. Aus dem gesagten hat sich außerdem ergeben, dass jede Monade das Universum auf ihre Weise widerspiegelt: man kann von jeder Monaden das gesamte Universum ableiten, erhält dann eine von vielen Perspektiven auf das Universum: wie das Betrachten der Stadt je nach Standort – es ist derselbe Gegenstand aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.


Daraus lässt sich ableiten, oder zumindest überlegen, dass dadurch verstanden werden kann, weshalb, je nach Gegenstand, die Meinungen soweit auseinander gehen können. Sowie ist zu fragen, wenn man Leibniz Theorie annimmt, ob es dann nicht Probleme bezüglich von Wahrheitsansprüchen gibt.







Literatur:


  • Leibniz, Gottfried Wilhelm: Monadologie und andere metaphysischen Schriften. [Hrgs. und übers.]: Ulrich Johannes Schneider. Meiner Verlag Hamburg 2002

  • Ruffing, Reiner: Einfürhung in die Geschichte der Philosophie. Wilhelm Fink Verlag 20072 Paderborn. Seite 143-149.

 

2 Kommentare 13.2.12 13:34, kommentieren

Kurze Übersicht

Im Gegensatz zu vielen anderen, die in einer solchen Kategorie Zitate und Lebenserkenntnisse verfassen - das tue ich persönlich unter der Kategorie "Gedanken" - ist dies eine Kategorie die sich tatsächlich mit Philosophiee beschäftigt. Leibniz, Aristoteles, Determinismus, Freiheit, Person - Themen der Philosophie, wozu es unterschiedliche Theorien und Annäherungsversuche gibt, soll hier verfasst und dargestellt werden.
Alle Texte, die sich hier finden, sind von mir verfasst und bieten einen Auszug aus meinen Arbeiten, meinen Auseinandersetzungen mit Theorien, Autoren, den Argumenten. 
Ich freue mich, wenn es zu Diskussionen kommen sollte, freue mich, wenn ich Anregungen bekomme und hoffe, dass ihr Spaß dabei habt zu lesen, was ich schreibe, hoffe, dass es euch die akademische Philosophie näher bringt.

1 Kommentar 12.2.12 19:17, kommentieren

Aristoteles - Freiwilligkeit

Einleitung

Das Aufkommen eines Diskurses bezüglich der philosophischen Handlungstheorie ist im Gegensatz zum Diskurs der Ethik eine Neuerscheinung, die vor allem der analytischen Philosophie zu verdanken ist. Der Diskurs fand jedoch soviel Anklang, dass er mittlerweile, aus Sicht der unterschiedlichen Teilbereiche der Philosophie, einen festen Sitz gefunden hat.

Die Diskussion über den Begriff der Handlung und dessen Bezüge zu anderen Begriffen, hat dafür gesorgt, dass bereits verstorbene Autoren, obwohl sie keine explizite Handlungstheorie formuliert haben, jedoch dahingehend interpretiert werden, damit ihre impliziten Theorien für die Forschung fruchtbar gemacht werden können. Dieses Phänomen bezeichnet man allgemeinhin als Dekontextualisierung.

Ein Autor, dessen Texte stark davon betroffen sind, ist Aristoteles. Aus diesem Grund werde ich mich in diesem Essay um einer Darstellung eines Themas widmen, dass entscheidend für die Handlungstheorie ist. Die Frage: „Wann ist eine Handlung als freiwillig, unfreiwillig oder gemischter Natur zu bezeichnen?“

Damit ich dieser Frage nachgehen kann, verwende ich das dritte Buch der Nikomanischen Ethik (Kapitel 1-4), und verfahr wie folgt:

Zunächst werde ich herausstellen, was Aristoteles unter der Unfreiwilligkeit (I) versteht, um dann von diesem Begriff abgegrenzt zu erläutern, was unter der Frewilligkeit (II) zu verstehen ist. Dabei wird sich zeigen, dass nicht jeder Umstand als freiwillig oder unfreiwillig zu bezeichnen ist und werde aus diesem Grund die dritte Kategorie, die, der Handlungen gemischter Natur am vom Aristoteles gewählten Tyrannenbeispiel verständlich machen. Zuletzt (IV) werde ich die wichtigsten Begriff und Bezüge zusammenfassend darstellen.


I – Unfreiwilligkeit

In seinem Text lassen sich zwei maßgebliche Kriterien finden, die festlegen, ab wann eine Handlung unfreiwillig ist. Aristoteles spricht zum einen von der Gewalt und zum anderen von der Unkenntnis, wob ei hier die Unwissenheit gemeint ist. Unwissenheit und unwissend handeln ist klar zu unterscheiden. Während unwissend handeln vermieden hätte werden können, wie z.B. eine Handlung aus Trunkenheit. Eine schändliche Handlung aus Trunkenheit ist eine Handlung, die hätte vermieden werden können, indem die vorausgehende Handlung des Trinkens unterbunden worden wäre. Zwar vollzieht man eine schändliche Handlung in Trunkenheit oftmals unter dem Vorzeichen der Unwissenheit, aber nur deshalb, weil man getrunken hat. Hingegen ist die Handlung des Trinkens mit dem Wissen um die Konsequenzen – Verlust von Vernunft und bedachten Handlungen – keine Handlung aus Unwissenheit.

Eine Handlung aus Unwissenheit hingegen ist eine Handlung, die wissentlich vollzogen wird, jedoch die Konsequenzen der Erwartungshaltung entgegenlaufen. Es kommt weniger auf die Handlung, als vielmehr auf die nicht gewollte Konsequenz an. Aristoteles zeigt dies am Beispiel eines Menschen, der einen anderen Schlägt, dabei aber ungewollt töten. Die Handlung, der Schlag, ist gewollt, doch nicht das Töten. Hier zeigt Aristoteles auch eine Möglichkeit der Validierung, ob ein Mensch diese Tat aus Unfreiwilligkeit oder Freiwilligkeit begann. Zeigt ein Mensch nach einer solchen Handlung Reue und Zeichen für schmerzliches Betroffensein zu zeigen, dann kann die Handlung als unfreiwillig bezeichnet werden. Trifft dies nicht zu, so, nach Aristoteles, kann man hier weder von unfreiwilliger Handlung noch von freiwilliger Handlung sprechen.1 Aristoteles spricht von nicht-freiwilligen Handlung.

Das zweite Kriterium ist das der Gewalt. Wobei Gewalt hier nicht eindeutig ist und eher im Zusammenhang mit den Handlungen gemischter Natur verwendet werden sollte. Wieso, werde ich in III erläutern. Aufgrund dessen möchte ich statt Gewalt von Ursache sprechen. Aristoteles nimmt das Beispiel eines Menschen, der von einem Sturm davon getragen wird. Dieser Mensch handelt in diesem Fall vollkommen unfreiwillig, er ein passiver Akteur in einem System ist, welches er nicht beeinflussen kann: d.h. Der Ursprung des von Ort A zu Ort B versetzten Menschen liegt nicht bei ihm selbst, sondern beim Sturm und somit liegt der Ursprung der Handlung vollkommen außerhalb.2 Des Weiteren ist als Bedingung für die Ursache in diesem Kontext anzugeben, dass der Handelnde oder Leidende keinen Einfluss auf den Verlauf hat. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob es möglich ist, ein aktiver Akteur zu sein und dennoch unter das Kriterium der Unfreiwilligkeit durch Ursachen zu fallen. Denn solange man nicht ausschließlich erleidet und die Möglichkeit hat, irgendwie zu handeln, müssten eher von nicht-freiwilligen Handlungen die rede sein.


II – Freiwilligkeit

Die Grundlegende Bedingung für Freiwilligkeit ist die Möglichkeit von Handlungen. Hier ist es wichtig darauf zu achten, dass es mindestens zwei Möglichkeiten geben muss zu handeln, da sonst nicht von Freiwilligkeit die Rede sein kann. Mithin ist die Bedingung der Möglichkeit von Freiheit, Optionen zu haben, eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. Hinreichend kann sie nicht sein, da je nach Situation, nicht davon ausgegangen werden kann, dass eine Handlung freiwillig geschieht. Nehme man das Beispiel eines Tyrannen, der die Familie in Gewalt hat und die Optionen lässt: Töte Person X oder ich töte deine Familie. Zwar liegen hier Möglichkeiten vor, aber nicht in einem Rahmen, der es zulässt, eine gerechte Handlung zu vollziehen. Dennoch muss man sich entscheiden – voraussichtlich für die Familie und gegen die Person X – doch diese Entscheidung und das ausführen der Handlung ist eine notwendige Entscheidung aufgrund von Handlung gemischter Natur.

Mit der Freiwilligkeit gehen Prozesse einher, die es erst möglich machen, eine zuletzt vollzogene Handlung als Freiwillig zu bezeichnen. Mit diesen Prozessen gehen die Begriffe der Entscheidung, der Überlegung und des Wollens einher, die folgend erläutert werden.

Damit eine Tätigkeit als Handlung anerkannt werden kann, muss vorausgesetzt sein, dass es möglich ist, durch Mittel das Ziel zu realisieren. Liegt ein Wollen vor, dass jedoch nicht zu realisieren ist, wie beispielsweise die Unsterblichkeit, muss man von wünschen sprechen, kann keine sinnvollen Überlegungen dazu anstellen, da es keine Mittel gibt, die zur Realisierung sinnvoll beitragen können und wir können uns nicht sinnvoll für diese Mittel-Zweck-Relation entscheiden. Darin zeigt sich nun auch sogleich der Zusammenhang von Begriffen und Zuständen.

Menschen haben unterschiedliche Ziele, die gewollt werden. Dies ist sozusagen ein Ziel, das angestrebt wird und realisierbar ist mit den Mitteln, die einem zur Verfügung stehen. Entscheidung ist das Mittel zwischen diesen unterschiedlichen Zielen zu wählen, sich auf eines der Ziele festzulegen. Erst wenn wir unterschiedliche Zeile haben, die gewollt werden, ist es möglich, sich für ein Ziel zu entscheiden. Mit der Entscheidung für ein Ziel setzt die Überlegung ein. Die Überlegung betrifft die möglichen Mittel mit denen sich das Ziel erreichen lässt, für welches man sich entschieden hat. Aristoteles merkt an, dass Überlegungen nur die Mittel betreffen können, die zum einen Möglich und zum anderen ausführbar sind. Überlegungen bezüglich Dinge a priori, Zufällige oder jene, die mit Ursache und Gewalt Zusammenhängen, können keine Gegenstände der Überlegungen sein, da sie als Mittel nicht anwendbar sind, sprich: nicht in unserer Macht liegen, diese für uns zu nutzen.

Hieraus lässt sich sehen, dass Aristoteles eine Handlung als dann freiwillig anerkennen würde, wenn unterschiedliche Ziele (was ein Mensch will) in Betracht kommen, sodass er sich Entscheiden kann, welches er wählt und somit Überlegungen anstellen kann, mit welchen Mitteln er zu diesem Ziel kommt. Diese Kriterien sind maßgeblich dafür, ob eine Handlung freiwillig ist, oder nicht.

Wichtig ist noch hinzuzufügen, dass Aristoteles keineswegs der Meinung ist, nur gute Handlungen seien freiwillig. Er spricht davon, dass auch eine schändliche Handlung, aus Zorn oder Begierde beispielsweise, als eine freiwillige Handlung zu werten sei, da der Handelnde die Möglichkeit hat, sich zu beherrschen.


III – Handlungen gemischter Natur

Im Gegensatz zu den Handlungen die freiwillig und unfreiwillig getätigt werden, kommt eine weitere Kategorie hinzu, die notwendig ist, zu verstehen, welche Handlungen gleichwohl nicht als freiwillig im oben genannten Sinne zu verstehen sind, aber auch nicht als unfreiwillige Handlungen.

Um dies zu erläutern, möchte ich auf das von Aristoteles gebrachte Beispiel des Tyrannen verweisen:


Was aber aus Angst vor größerem Übel geschieht oder wegen etwas Edlem, etwa wenn ein Tyrann eine schändliche Tat befiehlt und dabei Eltern und Kinder in seiner Gewalt hat und diese gerettet werden können, wenn man sie tut, dagegen sterben müssen, wenn man sie nicht tuut, so besteht hier ein Zweifel, ob man das freiwillig oder unfreiwillig nennen soll.“3


Aristoteles spricht davon, dass diese Handlungen als gemischte Handlungen zu verstehen sind, da sie Aufgrund eines Zwanges vollzogen werden, die mit freiwilliger Handlung nicht viel zu tun hat. Jedoch, so argumentiert Aristoteles, sind diese Handlungen eher der Freiwilligkeit zuzuordnen, denn in dem Moment, in dem man diese Handlungen vollzieht, wie die schändliche Tat für den Tyrannen, handelt man eher freiwillig.

Hingegen spricht Aristoteles auch davon, dass eine solche Handlung unter solchen Umständen allgemein gesprochen als unfreiwillig bezeichnet würde, da ein vernünftiger Mensch eine solche Handlung niemals wählen würde.

Es zeigt sich hier, dass Handlungen, die unter Gewalt4 vollzogen werden, nicht klar von Aristoteles kategorisiert werden. Unter Gewalt ist eine Situation bzw. sind Umstände zu verstehen, die eine Handlung, mag sie auch schändlich sein, vernünftiger erscheinen lassen, als eine Andere.


IV – Zusammenfassung

Aristoteles versteht unter einer unfreiwilligen Handlung all jene, die von außen kommen und uns zwingen zu „handeln“. Das Sturmbeispiel diente als Verdeutlichung seiner Gedanken.

Weiter hin nennt er zwei Formen der Unwissenheit. Die eine Handlung aus Unwissenheit, die damit einhergeht, dass zwar eine gewollte Handlung vollzogen wird, diese aber andere Konsequenzen hat, als erwartet. So derjenige, der einen anderen Schlägt und ihn dabei tötet. Dabei stellte sich jedoch heraus, dass eher auf die Konsequenz einer Handlung Bezug genommen wird, als auf die Handlung selbst.

Der zweite Typ ist die unwissende Handlung, welche beispielsweise in Trunkenheit vollzogen werden. Handlungen unter diesem Aspekt könnten gleichwohl als unfreiwillig kategorisiert werden, jedoch nicht das Trinken selbst.

Damit nun diese beiden Typen der Unwissenheit als wirklich unfreiwillig akzeptiert werden können, muss, nach Aristoteles, Reue vorliegen. Liegt diese nicht vor, so waren die Handlungen zwar nicht freiwillig, aber auch nicht vollkommen unfreiwillig, sodass Aristoteles hier von nicht-freiwillig spricht.

Als freiwillige Handlung ist bei Aristoteles alles zu verstehen, was Ursprung in dem Handelnden hat. Damit einhergehend ist die Entscheidung, das Wollen und die Überlegung, sowie die Bedingung der Möglichkeit unterschiedlicher Handlungsoptionen maßgeblich. Unter diesen Umständen ist freiwillige, vernünftige Handlung zu verstehen.

Zuletzt wurde noch kurz auf die Handlungen gemischter Natur verwiesen, die vor allem dann auftreten, wenn der Handelnde von einer außer ihm liegenden Macht stark beeinflusst wird, sodass die Entscheidung einer Handlung nicht mehr frei vom Einfluss vom Handelnden getroffen werden kann.

Diesbezüglich stellt sich jedoch die Frage, wie frei ein Handelnder von äußeren Einflüssen sein muss, damit nicht jeder seiner Handlung unter die Kategorie Handlungen gemischter Natur fallen?






Literatur


  • Aristoteles: Nikomanische Ethik. Hrsg. & Übers. Olof Gigon. Deutscher Taschenbuch Verlag München 20108 (Sigle: NE)

1Problematisch ist: die Bewertung, ob eine Handlung als freiwillig oder unfreiwillig zu verstehen ist, leitet sich letztendlich von den Konsequenzen (bei einer Handlung aus Unwissenheit) und dem Verhalten danach ab. Das sagt jedoch nicht viel über die eigentliche Freiwilligkeit aus. So wäre es auch nachvollziehbar einen Menschen mit einem Schlag zu töten, ohne es gewollt zu haben, letztendlich einem dies aber dienlich ist: Reue würde wohl kaum empfunden werden und dennoch war die Konsequenz nicht beabsichtigt. Der Schlag hingegen wurde als durchaus gewollte Handlung vollzogen und somit als Freiwillige.

2Auch hier ist es fraglich, ob die Rede von Gewalt, die vollkommen von außerhalb kommt und einen „Akteur“ ausschließlich erleiden lässt, was mit ihm geschieht, ohne Möglichkeiten eine Handlung zu vollziehen, überhaupt von Handlung gesprochen werden kann. Den Handeln setzt einen Handelnden voraus. Aus diesem Grund möchte ich bezüglich dieses Beispiels lieber von Ursache sprechen als von Gewalt.

3NE 1110a4-7

4Gewalt ist im Unterschied zur Ursache hier so zu verstehen, dass der Akteur durchaus ein Handelnder ist, indem er zumindest zwei Optionen hat zu handeln.

1 Kommentar 12.2.12 19:23, kommentieren

Vergangenes I

Die Eröffnung der Erinnerungen...



Wenn ich so recht darüber nachdenke, dann kann ich nicht verstehen wieso ich schon wieder hin bin. Ich habe doch erst ein Profil gelöscht um jeder Erinnerung aus dem Weg zu gehen, welche ich jemals angelegt hatte, um zu vergessen, einfach nur zu vergessen... und nun bin ich bereit mich zu quälen, mich meinen Erinnerungen zu ergeben in aller Hoffnung auf eine Art Reinigung - Läuterung.



Die Zeit vergeht schnell und selten bemerkt man jene rasante Entwicklung, welche sich um uns tut. Gestern noch war man klein, spielte fröhlich im Kindergarten, unbeschwert, fern aller Realität, gefangen in seiner eigenen kleinen Welt, an welcher soviele andere beteiligt waren und man selbst an den Welten der anderen beteiligt war, sodass eine Verschmelzung stattfand. Die Realität, der Ernst des Lebens schien so fern. Doch die Zeit holt einen Menschen schnell ein... schneller verliert man den Hang zu seiner Welt, die man sich mühevoll aufbaute, um Freude und Spaß zu empfinden trotz oftmals so aufbrausender Katastrophen. Bedient man sich heute solcher Welten, solcher Zufluchten gilt man jedoch als Verrückt oder kindisch und das obwohl man allgemeingültig festhalten sollte, dass nur jene Menschen glückliche Menschen sein können, die ihr inneres Kind mit allen Mitteln verteidigen. Stirbt das Kind, so stirbt das Leben mir - den die Vergangenheit stirb - und das einzige was man dann von sich selbst nocht vorfindet ist die reine Existent. Eine Existenz jedoch ist nichts weiter als die Grundbasis der physiologischen und psychologischen Grundbedürfnisse. Schlafen, essen, fortpflanzung. Ein solches leben ist wem dienlich? Nicht sich selbst. Es dient ausschliesslich der Erhaltung. Also sollte man Kind bleiben, denn so verlernt man nicht zu geniessen, was sich einem bietet - die kleinen Freuden des Lebens. Ein Beispiel hierfür ist eine Situation, welche ich letztens selbst erleben durfte. Ich war mit zwei Freundinnen auf einem Mittelalterfest. Es gab viele interessante Sachen, sowohl für Klein wie Groß. Für die Kleinen war ein Spielplatz mit Stoh aufgetürmt, die Eltern saßen außerhalb und beobachteten. Aufgrund des kleinen Kindes welches in mir mit der Sehnsucht erwachte dort spielen zu wollen, griff ich beide Freundinnen und wir tummelten uns im Stroh - spielend mit den Kindern. Erst dann wandelte sich die Situation... Die Eltern wurden froher, kamen in das getümmel mit hinein und spielten mit ihren Kindern. Sie hatten Freude. Freude an der Einfachheit des Spielens...



Einst sagte eine Freundin zu mir: " Das Leben lohnt sich nur soweit, wie man wagt, Kind zu bleiben."



Sie hat recht. Das Leben selbst wird mit zunehmendem Alter hektischer, verantwortungsbeladener und nichts scheint mehr Freude zu machen, außer jene Kapitalistischen Anlagen, welche grundsätzlich einen guten, aber stressigen, meist auch nicht wirklich erfüllenden Beruf voraussetzen. Ich sage euch: Geniesst jeden Moment in vollen Zügen. Geniesst den Regen auf eurer Haut, die Sonnenstrahlen, die euch liebkosen. Betrachtet Menschen und ihr Lächeln, ihre Augen, wie sie strahlen. Mit zunehmenden Alter verlernt man die Kleinigkeiten, die kleinen Wunder, zu sehen und das obwohl sie in der Kindheit das schönste waren; die Naivität, der Wissensdurst, die Entdeckerlaune und vieles, vieles, wirklich vieles mehr....

1 Kommentar 12.2.12 18:49, kommentieren

Seltsam

Es ist wirklich merkwürdig: es treibt mich von Zeit zu Zeit hier her, blicke mich um, lese alte Texte, die hier an diesem Ort einzig und alleine gespeichert sind. Ich verliere mich ein bisschen in der Vergangenheit, denke darüber nach, wie es damals war, als ich in dem Zustand war solche Texte zu verfassen und bemerke, dass das, was ich damals auf diese Art und Weise verarbeitet habe, heute noch immer in meinem Kopf rumschwirrt. 

Situationen mit emotionalen Inhalt, vor allem mit negativen, prägenden, wird man nie mehr los: es treibt einen an, macht die Erfahrung aus, die uns vorgibt, welche Handlungsoptionen wir ausschliessen, weil wir ähnliche Situationen schon erlebt und uns im schlimmsten Fall falsch entschieden haben, sodass die Konsequenz darin bestand einen Text zu verfassen der Freiraum schafft. 

Aber auch, wenn ein Verfassen von Texten nicht wie ein Löschfunktion wirkt, so ist es ein wichtiger Akt der Verarbeitung. Es hilft die Perspektive zu wandeln, es Hilft zu erkennen, dass nicht alles, was man einst als schlimm wahrgenommen hat, tatsächlich so dramatisch und tragisch war, sondern nur aus dem Moment herausgeboren einem persönlichen Weltuntergang glich. 

Man stellt, wie ich die letzten Tage, aber unter Umständen auch fest, was man nicht feststellen will. Nämlich: etwas, von dem man dachte, es verarbeitet zu haben, noch immer tief und aktuell in einem brodelt. Es ist ein Vulkan, die äußere Schicht erstarrt, feste und dennoch bebt es innerlich immer wieder, vielleicht sehr lange und leicht, jedoch mit dem Ende, dass alles heraussprudelt - und Menschen, unschuldige werden dabei verbrannt. Unfair. 

 

In diesem Sinne wird die Erinnerungsarbeit - eine persönliche natürlich - erneut auf dem Schlachtfeld ausgetragen werden. Das Schlachtfeld wird dieser Blog sein. Ich hoffe mitstreiter zu finden, Menschen, die Kritik üben, das wäre super.

 

1 Kommentar 11.2.12 15:01, kommentieren

Formen

Direkt aus dem Kopf aufs Papier: Grammatik und Rechtschreibung sehr wahrscheinlich zum Heulen. Wer Probleme mit sowas hat, sollte sich fern halten.



Es ist wie eine Glut die zu einem lodern wird. Dieses lodern wird zu einem Flächenbrandt - heiß und innig. Doch ersticken tut dies Feuer an dem sinnlosen Handeln, welches jenem Feuer die Nahrung beraubt.

 

Es ist die Liebe von der gesprochen ist; jedoch nicht von dieser hamonischen Liebe, die uns immer wieder in Hollywoodfilmen konstantiert wird. Es handelt sich mehr um eine Liebe, die verbrennt, wenn sie brennt. Der Schmerz jeder Brandtblase dennoch so süchtig macht, wie keine andere Droge. Das jenes mit Elend verbunden ist, steht außer Frage und dennoch entsteht so nicht selten die Leidenschaft, die sich durch das Leiden des Sozialen nährt. Leiden bilden den Charakter und zusammen Leiden kann demnach den Weg bereiten, gemeinsam einen Pfad zu begehen, wo andere bereits getrennt von einander, sich einsam und isoliert vom Partner suchen. Es kommt auf den Versuch an, und gewinnen kann jeder nur, wenn er nicht daran zerbricht sondern wächst. Erst wenn garantiert ist, dass beide, die zusammen Leiden, auch ihr Leiden teilen - wenngleich sie sich gegenseitig das meiste des Leides antun. 

 

Der Anfang liegt in jedem selbst. Ob es zu einem Anfang kommt, hängt ganz speziell von den Menschen ab, die sich in solch ein Gebiet vorwagen: wie verliebt sie wirklich sind, wie sehr sie es ertragen (obgleich ich feststellen musste: viele kennen ihre Grenzen nicht und zerbrechen schlussendlich daran). Der Beginn all dessen, was nicht schön und ästhetisch wirkt, liegt in dem Menschen. Menschen, die nicht vertrauen, die Isolation als ein Mittel des Schutzes verwenden und sich, wie auch andere frech anlügen, zu meinen, sie wären auf ewig glücklich damit. Eine Zeit lang mag das gut gehen, aber eben nicht ewig. Der Mensch - so verdeutlichen es uns Anthropologen immer wieder - ist und bleibt eine soziale Entität.  Die Welt wird nicht kühler, die Gesellschaft - vor allem in den Industriestaaten - immer isolierter. Fernsehen, Spielekonsolen: wer braucht da schon noch wahre, gute soziale Kontakte?

Aber nicht nur dies ist ein Ursprung der Isolation. Die Angst verletzt zu werden, die Angst anderen zu schaden. Alles Aussagen, die man hört, zum einen jedoch als Blödsinn reduziert, jedoch im eigenen Kontext oft nicht anders ausführt. Wer sich isoliert, zugleich aber Anspruch auf Gefühle und Emotionen stellt, kommt in das Dilemma, dass er will, aber nicht geben kann. Das betrifft dann jenen Menschen, der einst offenherzig war, gerne gab, aber zuweil immer mehr diese Isolation annimmt, weil er das Gefühl der Kälte nicht mehr anders verarbeiten kann. Daraus ergibt sich dann jedoch, dass der Mensch, den man - und dazu ist man als isoliertes Wesen fähig; nur nicht bereit es zu leben - liebt, leidet. Er nimmt die Form an. Und, wenn der Bruch kommt? Dann kann man nur hoffen, dass man sich an die guten Zeiten des nicht Isoliert-seins erinnert, sodass man dazu zurückkehren kann. Wenn es jedoch dazu kommt, dass man diese Form annimmt, dann wird der nächste Mensch, der sich unwissentlich ob der Gefahr verliebt und darauf einlässt, quasi, erkranken. Es mag einen scheinbar tollen Effekt haben: Isoliert ist man weniger angreifbar - zumindest kann man sich das einreden. Und so ist es nun fraglich, ob diese Einstellung, diese Übernahme einer Verhaltensweise, nicht etwas ist, dass in der Biologie und in den Kulturwissenschaften mehr und mehr als Meme eingeht. 

Es stellt sich natürlich das Problem, dass daran nichts schönes zu erkennen ist. Schönheit ist nicht immer offensichtlich. Wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, die in ihrer Isolation leben, die Zuneigung stark genug ist, man jedoch nicht erhält, wonach man verlangt, es aber auch nicht geben kann und somit ein Stillstand erreicht ist; kann es dann nicht passieren, dass eine Person aus der Isolation heraustritt? Das geschieht sicherlich erst nach vielen leidvollen Erfahrungen - diese können die Liebe schmälern - sie gar zu Hass umwandeln - oder eben verstärken. 

Der größte Teil dieser Begebenheiten wird schrecklich schmerzhaft, ohne wesentlichen Erfolg, enden. 

1 Kommentar 15.11.10 18:27, kommentieren